kronprinz wilhelm

 

Die Kronzprinz Wilhelm gehörte zu Beginn des 20.Jahrhunderts zu den großen und berühmten Schiffen, die als Schnelldampfer (Ocean Liner) nicht nur Fracht bzw. Passagiere über den Atlantik beförderten, sondern in einem besonderen Maße als stolzes Symbol ihres Heimatlandes auf den Meeren um nationalen Ruhm und Ehre fuhren. 

Sie wurde 1901 im Auftrag des NDL (Norddeutscher Lloyd)) auf der Vulcan-Werft, Stettin, getauft.

Sie war das erste Schwesterschiff der 1897 in Dienst gestellten Kaiser Wilhelm der Große.  Mit der Kronprinzessin Cecilie(1903) und der Kaiser Wilhelm II (1906) wurden vom NDL noch zwei weitere Schwesterschiffe gebaut.

Wie auf allen Ocean Linern dieser Zeit gab es drei Klassen: Die Kronprinz hatte Platz für 1761 Passagiere; davon 1054 in der dritten Klasse. Sie war 202,8 m lang, 20,2 m breit und 14908 t schwer.

Ihre Reisegeschwindigkeit betrug stolze 22 Knoten und machte sie zu einem der schnellsten Schiffe. 1902 konnte sie das Blaue Band (westbound crossings) für die schnellste Transatlantik- Überfahrt erringen.

 Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges   nahm die Kronprinz Wilhelm am 3.8.1914 Kurs von New York (Hoboken Pier) in den Nordatlantik, wo sie sich am 6.8.1914 mit dem Kreuzer Karlsruhe traf und umgerüstet wurde zum Hilfs-bzw. Handelskreuzer. 

 

 

 

Das (militärische) Kommando über die Kronprinz Wilhelm wurde Kapitänleutnant Thierfelder über- tragen. Der bisherige Kommandant, Kapitän Grahn, wurde erster Offizier. Auf jeder Seite des Vorderdecks wurde  ein 88-mm Geschütz montiert. Das erste erfolgreiche “Kaperunternehmen” traf den britischen Dampfer Indian Price am 4.9.1914.

Diese Kaperunternehmungen verliefen stets in ähnlicher Manier: nach Übernahme der verwertbaren Fracht wurde das Feindschiff versenkt. Mannschaft und Passagiere aber wurden als Kriegsgefangene an Bord genommen, wo den Passagieren der Service der Ersten Klasse, der Mannschaft immerhin jener der Zweiten Klasse geboten wurde. Da die Kronprinz Wilhelm Befehl hatte, Häfen zu vermeiden, war sie in der Versorgung abhängig von dem, was sie erbeuten konnte. Die Kriegsgefangenen wurden bei Kontakt mit Schiffen befreundeter Nationalität an diese über- geben und bei nächster Gelegenheit an Land gebracht. Die Regeln der Ritterlichkeit wurden von Kapitän Thierfelder befolgt und  nie gebrochen.

Wegen ihrer Fähigkeit, den Kontakt mit britischen und aliierten Einheiten zu vermeiden, wurde die Kronprinz Wilhelm schnell gefürchtet und als “Geißel des Atlantik” berüchtigt. Mehrfach berichteten britische Zeitungen von ihrer Versenkung, was dann regel- mäßig als Falschmeldung korrigiert werden mußte.

Nach 8-monatiger Kaperfahrt und der Versenkung von insgesamt 14 Schiffen mit einer Gesamttonnage von 58.201 Brt. aber war auch die Kronprinz in einer schlechten Verfassung (u.a. Bruch einer Antriebs- welle); ebenso die Mannschaft, die über den genannten Zeitraum hinweg wegen einer qualitativen Unterernährung (kaum oder kein frisches Obst und/oder Gemüse etc) ernsthaft erkrankt war.

Am 10. April 1915 entschloß sich Kapitän Thierfelder trotz der Nähe von 6 feindlichen Kreuzern, die vor der amerikanischen Küste patrollierten, dazu, in die Bucht von Chesapeak einzulaufen, um im Hafen von Newsport News anzulegen. Mit dieser letzten Anstrengung, mit 20 Knoten,  viel Mut, Geschick und Glück  gelang die Fahrt durch die feindlichen Linien. Damit endete die 251-Tage andauerende Seereise der Kronprinz Wilhelm als Hilskreuzer der Deutschen Kriegsmarine.

Die Kronprinz Wilhelm verblieb für die kommenden zwei Jahre in Newsport News und wurde nach dem Kriegseintritt der USA (1917) konfisziert und unter dem Namen USS Von Steuben im Oktober 1917 als amerikanischer Truppentransporter in Dienst gestellt.

Auf ihrer ersten Fahrt als Truppentransporter hatte sie eine Kollision mit ihrem NDL-Schwesterschiff Kaiser Wilhelm II, das ebenfalls als Truppentrans- porter der Vereinigten Staaten von Amerika genutzt wurde und in dieser Funktion den Namen USS Agamemnon erhalten hatte.

Nach Kriegsende(1918) wurde die USS Von Steuben (Kronprinz Wilhelm)  im Oktober 1919 außer Dienst gestellt. Für das einst so prachtvolle Schiff, das sich mittlerweile in einem schlechten Zustand befand, wurde keine neue Verwendung gefunden. Im Jahre 1923 wurde die Kronprinz zum Verschrotten an eine Metallfabrik aus Boston verkauft. Ihr Schicksal war  endgültig besiegelt.